Cloud Computing – Gut investiertes Weihnachtsgeld?

Ein anspruchsvolles Jahr voller ungeahnter Herausforderungen und enormen Anstrengungen geht zu Ende. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich der eine oder andere zum Jahresausklang noch einmal etwas gönnen möchte. Doch nicht nur Privatpersonen sind auf (Online)-Shoppingtour, auch viele Unternehmen tätigen letzte Investitionen vor dem Jahreswechsel bzw. planen die IT-Budgets fürs nächste Jahr – daher lohnt es sich, das Thema Cloudkosten noch einmal genauer zu betrachten.

Eine Cloud statt einem Laptop unter dem Weihnachtsbaum?

Ist das wirklich so ein abwegiger Gedanke, wenn sogar Microsoft mit dem Slogan „My other Computer is an Azure Data Center“ wirbt? Für Privatpersonen wäre dies sicherlich nicht die geeignete Lösung, aber für Unternehmen kann die Cloud als „Ersatz“ für die Anschaffung eigener Server Hardware durchaus interessant und attraktiv sein. Doch geschenkt gibt es Cloud Services in Form von kostenlosen Testangeboten nur in einem gewissen Rahmen – aber was kommt danach? Und vor allem: Wie kann ich dafür Sorge tragen, dass aus dem Geschenk nicht ein trojanisches Pferd (z.B. Stichwort „NASA Earthdata“ ) wird und die Kosten sich nicht so entwickeln wie erwartet? Genau mit diesen Fragen möchte ich mich im heutigen Blog beschäftigen.

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Cloud – eine Kostenfalle?

Wie jedes Produkt, jeder Service und jede Dienstleistung bietet auch die Cloud Fallstricke, die die Kosten zum Explodieren bringen können – ungewöhnlich ist dies also nicht. Wer schonmal die Inklusivkilometer bei einem Mietwagen überzogen hat oder diesen gar nicht vollgetankt zurückgeben hat wird wissen, wie schnell aus einem günstigen Angebot ein durchaus teurer Spaß werden kann. Daher gilt wie bei jedem Angebot: Unbedingt das Kleingedruckte lesen. Also warum sollte es bei Leistungen aus/in der Cloud anders sein?

Die besten Kosten sind die, die erst gar nicht entstanden sind

Bevor man in die unschöne Situation kommt aufgelaufene Kosten optimieren zu müssen, sollte man sich vorher damit befassen, dass diese gar nicht erst entstehen. Wer voller Euphorie während dem weihnachtlichen Großputz beim Abstauben des Racks im Rechenzentrum auf die Idee kommt dieses einfach in die Cloud zu werfen, wird im neuen Jahr sein blaues Wunder erleben. Vor einer Cloud Migration sollte man immer eine Bewertung in Bezug auf die „Cloud Readiness“ der Anwendung bzw. der Server vornehmen. Diese bezieht sich allerdings nicht nur auf die technische Machbarkeit, sondern auch auf die Sinnhaftigkeit der Migration, denn nicht jeder Workload ist für die Cloud geeignet. Folgende

Die Klärung folgender Fragen hat sich in diesem Kontext als sinnvoll erwiesen:

  • Wird der Server bzw. die Anwendung noch benötigt?
  • Ist eine Konsolidierung möglich?
  • Kann statt einem klassischen Server auch ein PaaS oder SaaS eingesetzt werden?
  • Kann die Anwendung von den Möglichkeiten in der Cloud (Flexibilität, Skalierbarkeit etc.) profitieren?
  • Ist mit dem Workload eine große Menge an ausgehenden Daten verbunden?
  • Handelt es sich um eine Latenzsensitive Anwendung z.B. Steuerung von Produktionsbändern oder Hochregallagern?

Über diese simplen Fragen können bereits vorab Kosten verhindert werden, die für das Unternehmen zu keinem Mehrwert bzw. im Zweifelsfall sogar zu einer höheren Kostenbelastung führen. Doch was kann man tun, wenn alle Potentiale berücksichtigt wurden, aber die Kosten zusätzlich gesenkt werden sollen?

Die Kosten fest im Griff

Auch wenn die Systeme bereits in der Cloud betrieben werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten die Kosten zu optimieren. Diese Möglichkeiten, sowohl im Kontext der eigentlichen Kosten als auch dem Cost Management, werden stetig von Microsoft erweitert. In Bezug auf die direkte Optimierung von Kosten steht hier vor allem die bekannte Möglichkeit einer “Reserved Instance” im Raum, welche es mittlerweile nicht nur für virtuelle Maschinen, sondern auch für verschiedene Storage-Typen gibt. Ein weitere, oft vernachlässigte Option ist die Aktivierung von „Hybrid Benefit“ – einer Möglichkeit zum „Recycling“ von bestehenden Windows oder SQL und seit kurzem auch Linux Lizenzen. Hierbei muss natürlich beachtet werden, dass die bereits vorhanden Lizenzen auch in der Cloud eingesetzt werden dürfen; für Windows und SQL bedeutet das, z. B. dass eine aktive Software Assurance vorhanden sein muss.

Aber auch was die Unterstützung der Kostenkontrolle angeht, also das Cost Management, gibt es einige Hilfestellungen, die immer weiter ausgebaut werden. Zum einen wäre hier „Azure Advisor“ zu erwähnen, der nicht nur technologische Chancen und Risiken aufzeigt, sondern auch Bezug auf kaufmännische Themen nimmt. Dazu gehört nicht nur die Prüfung, ob sich eine Reserved Instance lohnt, sondern auch eine Analyse der Nutzung oder des Traffics. Diese wird dann mit Empfehlungen kombiniert, die den Workload technologisch und/oder kaufmännisch verbessern können. Weiterhin hat sich der neue Service des Azure Cost Managements als zentrales Dashboard bewiesen, in dem nicht nur die Kosten mit verschiedenen Filtern genau analysiert werden können, sondern auch die Möglichkeit besteht verschiedene Ebenen, wie z. B. eine Subscription mit einem Budgetalter zu versehen.

Cloud – Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

Jein. (Falls beim Lesen nun intuitiv mit dem Summen begonnen wird, entschuldige ich mich für den Ohrwurm). An dieser Stelle bitte nicht falsch verstehen: Ich bin überzeugt davon, dass jedes Unternehmen in Zukunft zumindest teilweiße Cloud Services beziehen wird und vor allem MUSS, um sich am Markt gut positionieren zu können. Neben dem Faktor Kosten geht es hier auch um den Mehrwert den Cloud Services für Ihr Unternehmen generieren können: Skalierbarkeit, Flexibilität, die Eröffnung neuer Geschäftsmöglichkeiten und vor allem auch Geschwindigkeit. Diese Liste lässt sich beliebig erweitern, ist am Ende dann aber in dieser Fülle auch nur ein allgemeines Marketingwerkzeug. Die Vorteile für Ihre Unternehmen sind individuell und werden zumindest in Teilen von den Vorteilen anderer Unternehmen abweichen. Auch in Bezug auf die Kostenthematik ist die Situation nicht eindeutig, denn am Ende muss das Gesamtpaket stimmen, also die Relation von Mehrwert zu den anfallenden Kosten.

Doch was bedeutet das? Teurer ist nicht immer besser und wer günstig einkauft, kauft oftmals auch zweimal.

Also nehmen Sie sich Zeit für die Überlegungen zu Ihrer Cloud Journey – aber bitte erst nach den Feiertagen.

In diesem Sinne eine besinnliche Zeit und einen guten Jahreswechsel.

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Jens Pröll

Microsoft Alliance Lead | Cloud Solution Architect

Scheer GmbH
Bismarckalleee 17
79098 Freiburg
Germany

T +49 761 76613-216Kontakt

Über den Autor

Als Microsoft Alliance Lead bin ich im Geschäftsbereich Managed Services der Scheer GmbH tätig und verantworte unsere Microsoft Partnerschaft samt deren strategischer Weiterentwicklung.

In meiner zusätzlichen Rolle als Cloud Solution Consultant lasse ich meine umfangreiche Projekterfahrung aus meiner Tätigkeit als SAP Service Manager einfließen. Im Fokus steht für mich hierbei die Beratung von Unternehmen hinsichtlich der Entwicklung von maßgeschneiderten Cloud Architekturkonzepten sowie die damit verbundene Durchführung der entsprechenden Transition- bzw. Implementierungsprojekten.

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